Resilienz aus Sicht des Inneren Teams
Resilient sein will jeder. Aber was bedeutet Resilienz? Unkaputtbar sein? In Drachenblut gebadet haben und unverletzbar durchs Feuer schreiten? Teflonbeschichtet alle Schwierige an sich abperlen lassen? In heiterer Gelassenheit dem Dalai Lama Konkurrenz machen?
Aus Sicht des Inneren Teams bedeutet Resilienz, sich und anderen vom Oberhaupt aus zu begegnen, also mit der Instanz in sich verbunden sein, die alle Teile wertschätzen und zugleich begrenzen kann und die sich um verletzte und ängstliche Teile kümmert.
Wenn wir mit allen inneren Anteilen verbunden sind, dann sind wir berührbar. Dann haben wir Angst, wenn wir Gewalt begegnen, sind verletzt, wenn wir abgewertet oder verlassen werden. Dann sind wir erschrocken und mitfühlend, wenn andere Gewalt ausgeliefert sind, machen uns Sorgen, wenn Krieg ausbricht oder eine Klimakatatastrophe droht und werden wütend, wenn andere feindselig sind.
Aber indem wir diesen Teilen verbunden sind, können wir sie wertschätzen, beruhigen und begrenzen und werden nicht von ihnen mitgerissen. Wir behalten den Zugang zu unseren Ressourcen, können uns versorgen, erholen und wieder entspannen.
Ebenso entstehen Entscheidungsspielräume und Räume für erwachsene innere Anteile. Wir können wählen, wie wir reagieren wollen, sehen mehrere Möglichkeiten und können Konsequenzen abschätzen. Wir können uns eher in die Perspektive anderer Menschen einfühlen, die Hintergründe von auch schwierigem Verhalten verstehen und entscheiden, ob es uns sinnvoll scheint, in eine Konfrontation einzusteigen oder nicht.
Resilienz bedeutet also nicht, dass ich nicht verletzt, verstört bin, dass ich keine Angst habe oder nicht in Schwierigkeiten geraten. Resilienz bedeutet, dass ich diesen Teilen mit ihren Gefühlen Raum geben und für sie sorgen kann. Resilienz bedeutet auch, nicht damit zu hadern, dass ich diese inneren Anteile und diese Gefühle haben, es bedeutet, meine Grenzen zu akzeptieren und meine Möglichkeiten zu sehen. Im besten Falle bedeutet es auch, die Verstrickungen, Grenzen und Möglichkeiten meiner Gegenüber zu sehen.
Resilienz bedeutet also, vom Oberhaupt bzw. Selbst aus auf meine inneren Anteile zu schauen und diese zu versorgen – und es bedeutet zugleich, dass meine inneren Anteile mir als Oberhaupt vertrauen.