Warum die Arbeit mit dem Inneren Kind nicht reicht
Die Rede vom „inneren Kind“ ist inzwischen in aller Munde. Es geht ihm oft nicht gut, so viel ist bekannt, man muss sich um dieses Kind kümmern, es versorgen, es muss Heimat finden, wenn es uns gut gehen soll. Stimmt! Nur gibt es dabei leider einige Komplikationen.
Denn jeder, der das ernsthaft versucht, wird merken, dass das gar nicht so leicht ist. Erstens haben wir es nicht mit nur einem Kind zu tun – also nicht mit einem Einzelkind, sondern mit einer Geschwisterschar, einem Kindergarten, einer Horde unterschiedlichen Alters. Zweitens – und das ist noch entscheidender – ist es oft gar nicht so leicht, sich wirklich um diese Kinder zu kümmern. Es ist zwar leicht, einzusehen, dass wir das tun sollten, aber wenn wir wirklich versuchen, uns den verletzten, verstörten, einsamen oder gar traumatisierten inneren Kindern, die wir in uns tragen, zuzuwenden, dann stoßen wir auf Hindernisse.
Irgendwie kommt immer etwas dazwischen. Irgendwie vergessen wir es immer wieder, obwohl wir es uns doch vorgenommen hatten. Wir merken, dass wir irgendwann leicht gereizt denken: „Schon wieder ängstlich, obwohl ich mich so bemühe? Nun muss auch mal gut sein!“ Oder „Jetzt stell dich doch nicht so an, reiß Dich zusammen!“, „Nimm Dich nicht so wichtig“, „Das ist doch lächerlich“. Wir merken, dass der Kontakt just dann abreißt, wenn wir Kontakt zur Traurigkeit des Kindes bekommen – oder auch: wenn es dem Kind besser zu gehen droht.
All das macht Sinn. Und all das sind Hinweise darauf, dass wir es innerlich nicht nur mit einem Kind zu tun haben, das verletzt ist und um das sich alle inneren Anteile kümmern wollen. Sondern mit einem komplexen System, einem Inneren Team, das sich um diese Kinder schart. Verletzt wird nicht nur ein Kind, sondern ein ganzes System. Und dieses System mobilisiert eine ganze Reihe von Beschützern. Nicht alle derselben sind als Beschützer erkennbar, nicht alle diese Beschützer sind nett.
Wenn wir etwas verändern wollen, müssen wir das ganze System im Blick haben. Dabei werden wir merken, dass wir manche inneren Anteile mögen – und andere schwierig finden, fürchten, nicht leiden können. Wir werden merken, dass manche Teile sich destruktiv verhalten, womöglich sogar feindlich zu sein scheinen.
Mit welchen Mitgliedern Ihres Inneren Teams haben Sie es schwer? Und welche sind Ihre Lieblinge?