Kategorie: <span>Das Innere Team</span>

Das Menschenbild des Inneren Teams

Jeder innere Anteil hat eine gute Absicht. Alles, was unsere inneren Anteile tun, hat einen Sinn. Jeder Mensch hat alle Fähigkeiten, die er braucht, bereits in sich. Wie klingt das in Ihren Ohren? Vertraut oder befremdlich? Wunderbar oder naiv?

Dem Inneren Team ist mit diesem Menschenbild tief in der Denkweise und den Werten der humanistischen Psychologie verankert. Von sich aus suchen alle inneren Anteile, sucht das innere System des Menschen nach Kontakt und Verbundenheit, nach Sicherheit in sich und mit anderen.

Aber dieses System wird durch schwierige Erfahrungen aus der Balance gebracht (und wir alle machen schwierige Erfahrungen, wenn auch in extrem unterschiedlichem Ausmaß). Dann versuchen die inneren Anteile, den Menschen zu schützen und suchen nach Wegen, wie dieser in einem schwierigen, womöglich destruktiven Umfeld überleben und einen Platz finden kann.

Die Strategien, welche sie dabei anwenden, sind heute häufig mit Leid verbunden und sie sehen aus heutiger Sicht oft destruktiv aus. Aber in der Zeit und in der Situation, in der sie entstanden sind, waren diese Strategien sinnvoll und nötig, die einzige Möglichkeit, sich zu schützen, welche der Teil gefunden hat. In einer wundervollen Formulierung von Peter Fürstenau waren die Strategien die „bestmögliche Lösung zum Zeitpunkt ihrer Entstehung“.

Das Innere Team verklammert damit Problem- und Ressourcenorientierung auf radikale Weise. Nicht nur, dass wir in der Arbeit mit dem Inneren Team nach ressourcenvollen Teammitgliedern suchen können, welche die Klientin oder den Klienten bei den derzeit anstehenden Entwicklungsschritten unterstützen können (das können wir auch!). Die Ressourcenorientierung ist noch viel grundlegender: denn in der Arbeit mit dem Inneren Team werden auch schwierige und destruktiv wirkende innere Anteilen als Ressourcen sichtbar. Wenn es gelingt, die Hintergründe ihres Verhaltens zu verstehen und sie davon zu überzeugen, dass diese Strategien nicht mehr nötig sind, dann werden sie ihre Energie für andere Aufgaben zur Verfügung stellen.

Das bedeutet: in der Arbeit mit dem Inneren Team geschieht Veränderung durch Verstehen und Würdigung.

KlientInnen erleben die Arbeit mit dem Inneren Team durch diesen konsequent entpathologisierenden und ressourcenorientierten Blick oft als sehr entlastend. Das Innere Team ermöglicht es ihnen, sich selbst zu verstehen und mildert daher Scham und Selbstvorwürfe. Dieser andere Blick auf sich selbst ist ein wichtiger Schritt in Richtung Veränderung, Selbstwirksamkeit und Hoffnung.

Wir sind viele

„Wir sind viele“ – das gilt auch im Inneren. Und das ‚Innere Kind‘, der ‚Innere Kritiker‘ sind inzwischen in aller Munde. Für PsychotherapeutInnen & Coaches lohnt ein differenzierterer Blick auf dieses ‚Innere Team‘. Denn kaum eine Methode kann die innere Dynamik eines Menschen so prägnant erfassen wie das Innere Team, kaum eine ermöglicht uns so gezielte und wirksame Interventionen.

Grundgedanke ist die Personalisierung der inneren Dynamik. Die unterschiedlichen Teile unserer Psyche werden als innere Personen gesehen und behandelt: als Personen mit sehr unterschiedlichem Charakter, mit je eigenen Gefühlen, Bedürfnissen und Zielen, einer je eigenen Geschichte.

Dieser Grundgedanke ist ebenso einfach wie genial. Denn wir alle haben gelernt, uns in andere Menschen hineinzuversetzen und zu verstehen, was diese motiviert. Indem wir Innenwelt und Außenwelt analog setzen, können wir dieses Verständnis auf den Umgang mit uns selbst übertragen. Wenn wir innere Anteile, mit denen wir es schwer haben, als Personen begreifen, die wie äußere Personen von Gefühlen bestimmt werden und vor dem Hintergrund ihrer Biographie handeln – dann können wir leichter verstehen, warum diese sich manchmal auf eine Weise verhalten, die uns ganz und gar nicht gefällt.

Dazu trägt bei, dass wir bei dieser Personalisierung unserer Innenwelt nicht nur unsere Verstehensmuster übertragen, sondern ganz beiläufig auch unsere Wertvorstellungen. Wir alle haben die Vorstellung verinnerlicht, dass Personen eine eigene Würde haben und dass man ihnen mit Respekt begegnen sollte. Durch die Personalisierung der inneren Welt werden diese Vorstellungen implizit als Idealvorstellung für den Umgang mit sich selbst übertragen.

Das schafft eine Basis dafür, alle innere Anteile zu respektieren, sie zu würdigen und in ihren unterschiedlichen Bedürfnissen anzuerkennen. Und ihnen auch dann, wenn sie sich schwierig verhalten, eine gute Absicht zu unterstellen, die es zu ergründen lohnt.

Dafür braucht es auch im Inneren Team eine übergeordnete Instanz, die das Team leitet. Ihre Aufgabe ist es, allen zuzuhören, Konflikte zu klären, dominante Anteile zu bremsen und Entscheidungen zu treffen, die alle mittragen können. Ihre Aufgabe ist es auch, verletzte Anteile zu schützen und zu trösten . Wir nennen diese Instanz das ‚Oberhaupt‘ oder das ‚Selbst‘.

Psychotherapie und Coaching dienen dazu, diese Führungsinstanz zu stärken, Blockaden aufzulösen und die Selbstregulierungskräfte eines Menschen wieder oder erstmals freizusetzen.