Arbeit im Inneren System: Ressourcen- oder problemorientiert?

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Wie denken wir innere Dynamik und Veränderung im inneren System? Gehen wir davon aus, dass wir Ressourcen und hilfreiche Gegenspieler aufbauen sollten und eine konstruktive Aufstellung des Inneren Systems für schwierige Situation erarbeiten sollten? Oder kümmern wir uns vorwiegend um Teile, die in einer verstörenden oder traumatischen Vergangenheit feststecken?

Beides macht Sinn.

Das Innere Team von Schulz von Thun legt einen deutlichen Fokus auf den Aufbau hilfreicher Gegenspieler und Ressourcen. Wenn ich einen starken ‚Großzügigen‘ in meinem Inneren Team habe, dann brauche ich als Ausgleich einen ‚Sparsamen‘ – sonst komme ich in Schwierigkeiten. Wenn ich immer wieder zulasse, dass andere über meine Grenzen gehen oder mich an die Wand drängen, dann brauche ich eine ‚Grenzwächterin‘. Daran können wir arbeiten!

Das IFS von Richard Schwartz dagegen fokussiert auf verletzte innere Anteile und auf Teile, die Strategien entworfen haben, um diese Verletzten zu schützen.

Schulz von Thun stellt damit vor allem erwachsene Teile in den Mittelpunkt und entwickelt Wege, um diese zu stärken und zu einer guten Balance zwischen diesen zu kommen. Schwartz entwickelt Wege, um vor allem kindliche Anteile und deren Beschützer zu versorgen, zu heilen und diesen zu helfen, sich von Altlasten zu befreien und ungünstige oder destruktive Strategien loslassen zu können.

In der Integrativen Teilearbeit finden wir, dass es beides braucht! Wer nur verletzte Teile und Wächter sieht, verzichtet auf wichtige Ressourcen. Zugleich begrenzen verletzte Teile und Wächter den Spielraum, den wir in der ressourcenorientierten Arbeit haben. Wenn ein kindlicher Teil Angst vor Selbstbehauptung hat, dann hat der Grenzwächter einen schweren Stand.

Wir verbinden also beides und legen im Coaching einen Schwerpunkt auf die Arbeit mit Ressourcen (ohne verletzte Anteile und Wächter aus dem Blick zu verlieren) und in der Psychotherapie einen Schwerpunkt auf die Arbeit mit Teilen, die in der Vergangenheit feststecken (ohne dabei die Ressourcen, die uns manches erleichtern können, zu vergessen).

Auf diese Weise können wir je nach Situation im Sinne eines „Wachstumspendels“ zwischen Lösungs- und Problemorientierung hin- und herpendeln.


Zum vertiefenden Weiterlesen:

Dagmar Kumbier (2025): Wie Dein Inneres Team tickt. Stuttgart: Klett-Cotta. S. 137ff. Hier ist der Wechsel zwischen Ressourcen- und Problemorientierung als „Wachstumspendel“ beschrieben.