Sollten wir innere Anteile als Kategorien denken?

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Manche Modelle der Teilearbeit gehen von festen Kategorien aus. Uns steht dann als Therapeut:innen gewissermaßen ein festes Set von Teilen von zur Verfügung und wir schauen bei unseren Klient:innen, welche dieser klar charakterisierten Teile wir bei ihnen vorfinden.

So arbeiten etwa die Transaktionsanalyse (Eltern-Ich, Erwachsenen-Ich, Kind-Ich) und die Schematherapie mit ihren festen Sets von Schemata.

Andere Formen der Teilearbeit dagegen arbeiten phänomenologisch. Das bedeutet: sie schauen sich einen konkreten Menschen an und lassen sich davon überraschen, welche Teile dieser konkrete Mensch hat. Ebenso gehen sie davon aus, dass auch ein ähnlich aussehender Teil (eine „Perfektionistin“, ein „liebevoller Vater“, ein „freies Kind“) bei jedem Menschen eine andere Gestalt haben kann. Auch wenn sich manche Teile verschiedener Menschen ähneln mögen, können sie sich in wesentlichen Details deutlich unterscheiden.

So arbeiten das Innere Team von Schulz von Thun, die IFS von Richard Schwartz und im Anschluss an diese beiden auch wir in der Integrativen Teilearbeit. Auch die Ego-State-Therapie und Gunter Schmidt arbeiten vom Einzelfall aus.

Es macht einen großen Unterschied in Menschenbild und Arbeitsweise, ob ich vom Einzelnen her schaue oder den Einzelnen in ein übergeordnetes vermeintlich allgemeingültiges Raster einordne.

Besonders deutlich wird das bei Menschen, die eben nicht dem allgemeingültigen Raster entsprechen. So kann beispielsweise ein „Kontrolleur“ oder eine „Perfektionistin“ bei neurodivergenten Menschen einen völlig anderen Hintergrund und eine völlig andere Funktion haben als bei neurotypischen Menschen. Wenn ich phänomenologisch arbeite, werde ich darüber stolpern, auch wenn ich mich mit Autismus noch nicht näher beschäftigt habe. Wenn ich von festen Schemata aus arbeite, ist meine Chance, das Andersartige zu bemerken, deutlich geringer.

In der Integrativen Teilearbeit gehen wir daher vom Einzelfall aus. Und legen nahe, das Innere Team mit Klient:innen selber zu erheben und zu malen und dabei die Nuancen herauszuarbeiten statt mit feste Kartensets zu nutzen und Klient:innen damit einzuladen, sich in etwas Vorgegebenem wiederzufinden. Ebenso ist uns wichtig, in der Imagination oder der Stühlearbeit den Bildern und Impulsen unserer Klient:innen zu folgen.

Auf diese Weise regen wir auch unsere Klient:innen dazu an, Orientierung im eigenen Inneren zu suchen statt im vorgegebenen äußeren Kategorien und dabei genau hinzuschauen.