„Heilung“ in der Teilearbeit

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Wenn innere Anteile starke Gefühle haben, die nicht zur heutigen Situation zu passen scheinen, dann gehen wir davon aus, dass der Teil in einer früheren biographischen Situation feststeckt. Er erlebt dann eine alte Angst, Scham oder Wut, die in der damaligen Situation angemessen war. Wenn etwas im Heute an diese Situation erinnert, dann springt das alte Gefühl wieder an.

Auch Verhalten und Strategien von inneren Anteilen können in früheren Situationen wurzeln: die automatische Anpassung, die einem cholerischen Elternteil gegenüber schützend war, die Überfürsorge, welche ursprünglich dem depressiven Vater galt, der Versuch, sich durch Leistung die Anerkennung und Liebe zu erarbeiten, die es auf anderem Wege nicht gab.

Der erste (und wichtigste) Schritt in Richtung Heilung besteht darin, den Teilen zu gestatten, mit ihren Gefühlen und Impulsen da zu sein. Wenn wir uns (als ‚Selbst‘ oder ‚Oberhaupt‘) diesen Teilen zuwenden und ihre Gefühle anerkennen, obwohl wir diese womöglich noch nicht verstehen, dann können diese Teile anfangen, uns zu vertrauen.

Ein weiterer Schritt kann darin bestehen, die Geschichte eines Teils zu erkunden und zu verstehen, warum dieser in bestimmten Situationen mit heftigen Gefühlen und mit Strategien reagiert, die uns heute in Schwierigkeiten bringen. Je mehr es gelingt, diese Geschichte zu verstehen, je mehr wir Gefühle und Verhalten des Teils anerkennen und würdigen können, desto mehr kann dieser sich entspannen und damit schrittweise im Heute ankommen. Das ist die Voraussetzung dafür, dass es gelingen kann, gemeinsam mit dem Teil andere Strategien zu entwickeln.

Und wir können den Teil aus der alten Situation herausholen und ihn an einen sicheren Ort bringen. Diese Methode stammt ursprünglich aus der Traumatherapie und ist inzwischen zum Basishandwerkszeug nahezu aller Teiletherapien geworden.

Richard Schwartz hat im IFS darüber hinausgehend die Möglichkeit einer ‚Entlastung‘ entwickelt. Er geht von dem Bild aus, dass innere Anteile Lasten aus ihrer Biografie tragen, manchmal auch ererbte Lasten aus der Familiengeschichte. Eine solche Last kann beispielsweise in Schmerz bestehen, in Scham, einer realen oder vermeintlichen Schuld, aus Verantwortung oder Loyalität Eltern oder Geschwistern gegenüber oder einem elterlichen Auftrag.

Wenn wir uns solche Lasten bewusst machen, können wir unseren Teilen helfen, sich davon zu befreien – ein machtvolles Bild von Heilung und Neubeginn.

Wir alle neigen dazu, unseren inneren Anteilen so zu begegnen, wie früher wichtige Bezugspersonen mit uns umgegangen sind. Indem wir unseren Teilen mit Akzeptanz und Wertschätzung begegnen, lösen wir uns von diesen alten Beziehungsmustern – hier begegnen sich Teiletherapie und psychodynamische Therapie. Letztlich geht es nicht um Methoden, sondern um eine Haltung uns selbst und anderen gegenüber.


Zum vertiefenden Weiterlesen:

Dagmar Kumbier (2013 / 2026): Das Innere Team in der Psychotherapie. Stuttgart: Klett-Cotta. S. 9f, 83ff., 253ff.