Den Methodenkoffer, den die unterschiedlichen Formen der Teilearbeit bereitstellen, ist inzwischen sehr vielfältig.
Äußere Bühne
Jakob Moreno, der Begründer des Psychodramas, hat die Arbeit mit dem leeren Stuhl entwickelt. Er lud Klienten ein, sich auf einem leeren Stuhl einen wichtigen Menschen vorzustellen und dann auf diesen Stuhl zu wechseln, um sich mit diesem zu identifizieren. Fritz Perls hat die Methode für die Arbeit mit inneren Anteilen fruchtbar gemacht. Indem ein Mensch ganz in die Haut eines Teils hineinschlüpft, kann er viel über diesen Teil erfahren.
Fast alle Formen der Teilearbeit arbeiten mit diesen Techniken, die wir in der Integrativen Teilearbeit als „Äußere Bühne“ bezeichnen.
Innere Bühne / Imagination
Später kam die Arbeit mit Imagination dazu, bei der Menschen dazu eingeladen werden, innerlich in Kontakt mit einem Teil zu treten und Bilder entstehen zu lassen, wie dieser Teil aussieht, wo er ist und wie er sich im Kontakt verhält. In der der Integrativen Teilearbeit sprechen wir hier von der “Inneren Bühne“.
Auch diese Technik wird von vielen Methoden der Teilearbeit eingesetzt, in der IFS von R. Schwartz und der Ego-State-Therapie spielt sie die Hauptrolle.
Erhebung am Blatt
F. Schulz von Thun hat eine weitere Methode entwickelt, die Erhebung des Inneren Teams am Blatt, bei welcher die Dynamik im Inneren Team visualisiert wird.
Aufstellungsarbeit
Für die Arbeit in Gruppen habe ich die Aufstellungsarbeit mit dem Inneren Team entwickelt, wo wir mit Hilfe des Feldes versuchen, die Hintergründe der aktuellen Aufstellung zu verstehen, also nicht primär lösungsorientiert, sondern psychodynamisch arbeiten.
In der Integrativen Teilearbeit setzen wir alle diese Methoden ein und arbeiten heraus, wann sich welche am besten eignet.
Die Erhebung des Inneren Teams am Blatt gibt einen Überblick über die Gesamtdynamik. Auf dieser Basis können entscheiden, wo wir vertiefen wollen. Diese Methode ist sehr niedrigschwellig und eigent sich daher sowohl für Psychotherapie als auch für Coaching.
Die Arbeit in der Imagination ist die intensivste Methode im Repertoire und kann einen direkten Zugang zu unbewussten Themen ermöglichen. Zugleich ermöglicht Imagination sehr kontrollierte und kleinschrittige Annäherung an belastete Teile – was sie zur Methode der Wahl in der Traumatherapie macht. Intensivere Formen der Arbeit mit Imagination sollten der Psychotherapie vorbehalten bleiben.
Auch die Arbeit auf der äußeren Bühne erschließt den Zugang zu unbewussten Themen – auf eine spielerische Ebene. Sie hat den Vorteil, dass wir als Therapeut:innen und Coach:innen unmittelbar in Kontakt mit den Teilen kommen, was vor allem wichtig ist, wenn die Klientin oder der Klient verschmolzen mit einem Anteil ist oder diesen stark ablehnt. Auch die äußere Bühne eignet sich sowohl für Coaching als auch für Psychotherapie.
Durch diese Methodenvielfalt können wir unser Vorgehen für unsere Klient:innen und für das, was uns selbst gut in der Hand liegt, maßschneidern.
Zum vertiefenden Weiterlesen:
Dagmar Kumbier (2013 / 2026), Das Innere Team in der Psychotherapie. 8. vollständig überarbeitete Ausgabe. Stuttgart: Klett-Cotta. Kapitel 4 – 6.
Dagmar Kumbier (2016): Aufstellungsarbeit mit dem Inneren Team. Stuttgart: Klett-Cotta.

